Stichwort - CCS

Der Parlamentarische Beirat für nachhaltige Entwicklung hat am Mittwoch Abend in einem offenen Obleutegespräch mit einer hochrangigen Vertretung aus Norwegen über die Möglichkeiten, Chancen und Risiken der CO2-Abscheidung und –Speicherung (engl. Abkürzung CCS) diskutiert. Die Informationen über Projekte in Norwegen waren beeindruckend – hier wird bereits seit längerer Zeit die technische Möglichkeit der Verringerung der CO2-Emission bei Kraftwerken genutzt. Die Speicherung des CO2 erfolgt vor allem in Gesteinsschichten unter dem Meeresboden. Die Erfahrungen seien – mit Ausnahme zweier Versuchsprojekte, die aus Kostengründen wieder gestoppt werden mussten – durchweg positiv. Allerdings wiesen die Delegationsvertreter auch darauf hin, dass die Einspeicherung von CO2 in tiefer gelegenen Erdschichten auch bei größtmöglicher Sorgfalt mit einem Restrisiko sowohl hinsichtlich der Auswirkungen auf die Umwelt als auch in finanzieller Hinsicht verbunden sei.

Auch in Deutschland ist die Abscheidung und Speicherung von CO2 geplant. Stromanbieter werben damit, dass dadurch Kohlekraftwerke wesentlich umweltfreundlicher betrieben werden können. Zusätzlich zu tiefliegenden Gesteinsschichten könnte in Deutschland das abgetrennte CO2 auch in leergeförderten Erdgasfeldern gespeichert werden.

So verlockend die Idee sein mag, nahezu CO2-freie Kraftwerke zur Verfügung zu haben, so kritisch sollte man diese Technik doch hinterfragen. Dabei geht es mir vor allem um die Frage der Sicherheit hinsichtlich der Umweltverträglichkeit. Als Atomenergie modern wurde, hieß es auch, das sei alles gar kein Problem. Die „nicht vorhandenen Probleme“ mit der Entsorgung des Atommülls sind hinlänglich bekannt. Wir müssen aufpassen, dass das bei der CO2-Speicherung nicht ähnlich verlaufen wird. Auch wenn CO2 kein radioaktives Risiko darstellt, basieren die Informationen hinsichtlich der Umweltverträglichkeit vor allem auf Modellen, Berechnungen und Schlussfolgerungen. Das mag alles stimmen – muss es aber nicht.

Und hier müssen wir vor dem Hintergrund der Leitlinien nachhaltiger Politik die Frage stellen, ob wir das Restrisiko, das wir im übrigen wiederum unseren nachfolgenden Generationen aufbürden werden, eingehen wollen, oder ob nicht doch besser andere Wege beschritten werden sollten, um die CO2-Emissionen unserer Kraftwerke zu reduzieren.

Der Ausstieg aus der fossilen Stromerzeugung ist eine große Herausforderung. Der Ausstieg aus der Kernenergie wird früher oder später kommen – damit müssen bereits rund 25 % unseres derzeitigen Strombedarfes aus anderen Energiequellen erzeugt werden. Ein Ausstieg aus der fossilen Stromerzeugung würde noch einmal rund 60 % unseres derzeitigen Strombedarfes ausmachen. Dabei sind mögliche Bedarfssteigerungen, die aus dem Ausbau der Elektromobilität erwachsen können, noch nicht eingerechnet. Aber auch wenn es eine große Herausforderung darstellt, sollten wir meines Erachtens anstreben, im Verlauf der nächsten 40 Jahre unsere Stromerzeugung komplett auf erneuerbare Energien umzustellen. Ein Anfang wäre, statt des Ausbaus des Kohlekraftwerkeparks auf dezentrale Stromversorgung mittels neuer Kraftwerke auf Basis von Wind, Sonne und Biomasse zu setzen und zudem das Potential der Stromerzeugung aus Erdwärme weiter voran zu bringen.

Langfristig wird uns ohnehin kaum eine andere Wahl bleiben, als Kernenergie und fossile Brennstoffe zu ersetzen, weil abgesehen von der Kohle nicht erneuerbaren Energieträger nicht mehr übermäßig lange verfügbar sein werden. Jetzt den Umstieg konsequent zu forcieren ist aus meiner Sicht nachhaltiger, als vorübergehend auf eine Technik zu setzen, bei der die Risiken nicht vollumfänglich bekannt sind und die letztendlich mit ihrer Einführung bereits ein Auslaufmodell sein würde.

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Ein Kommentar zu “Stichwort - CCS”

  1. Stichwortgeber « angedacht

    [...] Ein kurzes erstes Überfliegen des Textes machte dann aber meinen Irrtum recht schnell deutlich: da steht Stichwort - CCS. [...]

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