Abschied und TV-Tip

Ulrich Maennl am 8. Januar 2010 um 15:02

Am 11.11 war es soweit: Nach 254 Tagen, die wir, das 29. Überwinterungsteam, alleine auf der Station verbracht haben, erreichte uns gegen 14 Uhr das erste Flugzeug dieser Sommersaison. Es war eine Twin Otter DHC-6, die von der russischen Station Novolazarevskaja, etwa 700km östlich von Neumayer, zu uns kam.

Twin Otter im Anflug über der Station

Twin Otter im Anflug über der Station

Diese brachte nicht nur 4 Personen, sondern auch den von uns ersehnten Frischproviant. Wegen des nicht besonders guten Wetters wurde das Flugzeug rasch entladen, um gleich wieder zur russischen Station Novolazarevskaja zu starten.

Twin Otter

Twin Otter

Mittlerweile sind weitere Sommergäste hier angekommen. Ein großer Teil unserer Nachfolger wurde bereits in die Fachbereiche eingewiesen.

Begrüßung der neuen Gäste...

Begrüßung der neuen Gäste...

Nachdem wir unser zweites Weihnachtsfest in der Antarktis traditionsgemäß mit Gänsebraten und Plastiktannenbaum feiern konnten, geht für uns Überwinterer der Einsatz langsam dem Ende entgegen. Zum Abschied möchten wir unseren treuen Lesern noch eine TV-Tip mit auf den Wege geben: am 12.1. sendet PHOENIX von 14:45 Uhr bis 17:00 Uhr noch einmal eine Folge der Reihe “Eiszeit” mit Aktuellem von der deutschen Antarktisstation Neumayer III, Reportagen und Dokumentationen. Wir bedanken uns für das Interesse an unserem kleinen Blog, die vielen Nachfragen und Kommentare!

Herzliche Grüße aus der Antarktis,
die 29. Überwinterungsmannschaft auf der Neumayer-Station.

Neumayer-Station III im Dezember 2009

Die Sommersaison naht

Gerhard Weigand am 1. November 2009 um 21:38

Nachdem der Eisberg mittlerweile an der Atkabucht vorbeigezogen ist, laufen hier die letzten Vorbereitungen für die Sommersaison. Leider war das Wetter der letzten Wochen sehr durchwachsen, so dass Außenaktivitäten nur bedingt möglich waren. Trotzdem konnten die noch verbliebenen Aufgaben alle erledigt werden. Dazu gehörte auch das Erhöhen des Wegweisers an der Atkabucht, der potentiellen Besuchern die richtige Richtung anzeigt - leider in den letzten Monaten ohne Erfolg.

Uli beim Ausgraben des Wegweisers

Auch ein weiterer Ausflug auf das Meereis war noch möglich; so konnten wir das Heranwachsen der Pinguine beobachten. Mittlerweile sind die Kleinen schon recht eigenständig und aktiv, dabei aber immer noch auf die Nahrungslieferung durch die Eltern angewiesen, da sie mit ihrem Flaum noch nicht ins Wasser können. Erst im Januar/Februar werden sie ihr normales Federkleid bekommen und dann auch selbst auf Nahrungssuche im Meer gehen können. Solange werden sie noch von den Eltern versorgt und in Gruppen, so eine Art Pinguin-Kindergarten’ betreut.

‘Pinguin-Kindergarten’

In der Nähe der Eisberge befinden sich in der Regel Risse im Meereis, bedingt durch die Bewegung des Meeres gegenüber den auf dem Meeresboden fixierten Eisbergen.

Diese Löcher werden von den Seehunden zum Luftholen benutzt. So konnten wir auch einige Seehunde und ihr Junges beobachten.

Zu den Vorbereitungen der Sommersaison gehört unter anderem das Präparieren der Flugpiste, so dass die hier operierenden Basler sicher landen können. Die Piste wird in etwa 300m von der Station angelegt und mit Flaggen markiert.

Weiterhin werden sogenannte Kabausen aufgestellt, in denen einige Sommergäste wohnen werden, da die Station selbst nicht ausreichend Schlafgelegenheiten bietet.

Diese Arbeiten sind nun beendet und wir warten auf den ersten Flieger. Zunächst kommt als Vorhut ein Meteorologe (forecaster), der für die Flugwettervorhersage zuständig ist. Dieser kommt mit einer der Basler über Südamerika und der antarktischen Halbinsel, da diese die weite Strecke direkt von Kapstadt nicht schaffen. Einige Tage später dann kommt die erste Iljuschin von Kapstadt nach Novo, der russsischen Station; von dort werden die Passagiere mit den kleineren Basler zu ihren Zielorten gebracht. Mit den ersten Passagieren kommen auch die ersten Frischwaren nach 9 Monaten und wir alle freuen uns schon auf frischen Salat und frisches Obst.

Riesiger Eisberg zum Greifen nah!

Jessica Helmschmidt am 25. Oktober 2009 um 19:49

Über Satellitenbilder können wir seit ein paar Tagen gespannt beobachten, wie sich ein riesiger Eisberg, von Osten her kommend, stetig dem Ekström-Schelfeis und der Atkabucht nähert. Seine Bezeichnung ist C-19c und mit seinen
rund 800 km2 entspricht das Ausmaß des Tafel-Eisbergs ungefähr der Fläche Berlins.

Unterwegs zur Schelfeiskante

Unterwegs zur Schelfeiskante

Inzwischen liegt der wandernde Riese direkt vor der Atkabucht und da das Wetter an diesem Tag einigermaßen gut ist, fahren wir unverzüglich zur Schelfeiskante hinaus, um den Giganten aus nächster Nähe zu betrachten. Der Anblick ist gewaltig: eine etwa 40 Kilometer lange Mauer aus Eis tut sich gegenüber von uns auf. Die lang gezogene Silhouette hebt sich scharf wie ein Scherenschnitt von dem strahlend blauen Hintergrund ab und erst bei genauerem Hinsehen entdeckt man die vielen Zacken, Kanten und Türmchen der rauen Eisbergkante.

Silhouette des Eisbergs C-19c vor der Atkabucht

Silhouette des Eisbergs C-19c vor der Atkabucht

Zwischen Schelfeis und Eisberg stapeln sich die Meereis-Schichten zu ausgeprägten Wogen und Furchen übereinander und man bekommt einen spürbaren Eindruck der enormen Massen und Kräfte, die hier zugange sind und ihr imposantes Spiel treiben.

Das Meereis stapelt sich vor der Eiskante

Das Meereis stapelt sich vor der Eiskante

Faszinierend ist auch die Tatsache, dass dieser Eisberg quasi von der anderen Seite der Antarktis kommt. Er ist ein Teil des Eisbergs C19, der sich im Mai 2002 vom Ross-Schelfeis löste. Seither wanderte er, durch den antarktischen Küstenstrom angetrieben, an der gesamten Ostküste der Antarktis entlang bis er in diesen Tagen die Atkabucht erreichte.

Mit Spannung erwarten wir nun den Eisberg B-15k, der sich derzeit einige Kilometer östlich der Atkabucht befindet. Er entstammt dem bisher größten in der Antarktis beobachteten Eisberg B15 mit einer ursprünglichen Fläche
von 11.655  km2. Auch dieser Eisberg war Teil des Ross-Schelfeises und brach bereits im März 2000 von der Eiskante ab.

Dieser Artikel wurde am 30. Oktober 2009 aktualisiert, nachdem sich herausgestellt hatte, dass es beim National Ice Center zu einer Verwechslung in der Bezeichnung der Eisberge gekommen war.

http://terraweb.ws.usgs.gov/

Karte der Antarktis mit markiertem Ross-Schelfeis und der Neumayer-Station.
Quelle: http://terraweb.ws.usgs.gov/

Geophysik-Wintertraverse

Felix Riess am 23. Oktober 2009 um 00:38

Jeden Winter findet sie einmal statt: die “Traverse” der Geophysik, eine Expedition der beiden Geophysiker zu ihren Außenstellen. Auf den Höhenzügen Søråsen und Halfvarryggen, beite etwa 100 km Fahrtstrecke von der Neumayer-Station entfernt, befinden sich Erdbebenwarten, die Erschütterungen der Erde registrieren und per Funk in das Geophysik-Observatorium der Station übertragen.

Dieses Jahr war es im Oktober so weit. Das Expeditionsfahrzeug war ein Pistenbully mit angehängtem Wohncontainer und zusätzlichem Materialschlitten für Ersatzteile und Werkzeug. Die Mannschaft bestand neben den beiden Wissenschaftlern noch aus Koch, Elektriker und Funker, die sich als Freiwillige für Arbeiten aller Art angeboten hatten. Das erste Ziel war die “Olymp” genannte Station auf dem Søråsen. Das Kettenfahrzeug kommt auf dem harten Eis und mit der schweren Last nur langsam voran, so daß die Fahrtzeit bis zum Ziel mehr als zehn Stunden betrug. Während die beiden Insassen des Führerhauses noch halbwegs komfortabel reisen konnten, wurden die Passagiere im deutlich schlechter gefederten Wohncontainer reichlich durchgeschüttelt.

Pistenbully mit Wohncontainer und Schlitten

Die Aufgabe auf dem Olymp bestand darin, die Station komplett abzubauen, da sie im kommenden Sommer von analoger auf digitale Technik umgerüstet werden soll. Der Fahrer des Pistenbullys war mehrere Stunden damit beschäftigt, den Schneezutrag des letzten Jahres zu beseitigen. Danach waren Seismometer, Datenerfassung und Antennenmast schnell ausgegraben, so daß die ganze Arbeit an einem halben Tag erledigt werden konnte und bereits am nächsten Tag die Fahrt zum Halfvarryggen angetreten werden konnte.

Dort war der Gruppe leider kein Glück mit dem Wetter beschieden. Die ersten zwei Tage stürmte und schneite es heftig, so daß so gut wie keine Arbeiten im Freien erledigt werden konnten. Auch dem Dieselgenerator, der den Wohncontainer mit Strom versorgte, gefiel das Wetter nicht besonders gut. Viele verschiedene Konstruktionen wurden erprobt, bis schließlich eine halbwegs stabile Variante gefunden war, um das Aggregat vor dem Schnee zu schützen und trotzdem ausreichend Luftzirkulation zu ermöglichen.

In dem wohnwagengroßen Container war es zu fünft recht gemütlich, aber auch sehr eng. Der Koch hat sich alle Mühe gegeben, auf den zwei kleinen Gaskochstellen leckere Menüs zu kreieren, und es ist ihm ausgesprochen gut gelungen! So vergingen zwei Tage mit Essen, Aufräumen, Lesen und Filmgucken auf dem Laptop. Als der Wind endlich ein wenig nachließ und die Sonne vorsichtig hinter den Wolken hervorschaute, konnte das Ausgraben der Seismometer beginnen. Die “Watzmann” genannte Station soll zum Jahreswechsel auch modernisiert werden, der Observatoriumscontainer sowie die Meßgeräte bleiben jedoch erhalten, so daß vorwiegend Wartungsarbeiten auf dem Programm standen. Diese verliefen erfreulicherweise ohne große Probleme und konnten zügig abgeschlossen werden. Zur Feier des erfolgreichen Abschlusses der Expedition gab es noch ein kleines improvisiertes Grillfest mit Kudu- und Straußenfilet vom Gasgrill. Schließlich kann man in der Antarktis bei -15°C schon von Grillwetter sprechen!

Seismik-Observatorium auf dem "Watzmann" vor dem Schneeräumen

Insgesamt dauerte der Einsatz an den beiden Standorten eine Woche. Während der ganzen Zeit stand die Mannschaft regelmäßig per Funk mit den Daheimgebliebenen auf der Neumayer-Station in Kontakt. Per Satellitentelefon konnten auch kurze E-Mails gesendet und empfangen werden, was vorrangig zur Übermittlung von aktuellen Wettervorhersagen genutzt wurde.

Die Rückfahrt konnte dann bei strahlendem Sonnenschein angetreten werden. Nach einer Woche auf Expedition haben sich alle auf eine heiße Dusche gefreut! Für die bevorstehende Sommersaison ist ein deutlich längerer Feldeinsatz geplant, um die Erdbebenwarte “Olymp” komplett neu aufzubauen und die Technik auf dem “Watzmann” grundlegend zu erneuern. Die Winter-Traverse war dafür die “Generalprobe” und kann als durchweg gelungen betrachtet werden.

Nachts auf Neumayer…

Ulrich Maennl am 6. September 2009 um 23:12

Hier auf der Neumayer Station III können wir immer wieder feststellen, dass wir uns hier fern ab jeglicher Zivilisation befinden. Sehr eindrucksvoll beweist sich diese Tatsache immer wieder an klaren Tagen wenn die Nacht einbricht. Ist der Mond dann am nächtlichen Himmel nicht mehr zu sehen, eröffnet sich uns ein wirklich traumhafter Anblick auf die Milchstrasse. Denn anders als im lichtverschmutzen Deutschland haben wir hier, ausser der Stationsbeleuchtung, keinerlei störende Lichtquellen. Bei diesem Anblick wünscht man sich doch oft es wäre möglich, solch dunkle Nächte auch in der Heimat zu bekommen.

Station bei Nacht

Station bei Nacht

Leider werden wir diesen Anblick nicht mehr lange genießen können, da  schon im November der Polartag wieder beginnen wird.

Messungen am Spurenstoff-Observatorium

Jessica Helmschmidt am 26. August 2009 um 21:41


Mit der Einweihung der Neumayer-Station III, wurde auch das neue Spurenstoff-Observatorium in Betrieb genommen und die langjährigen Messreihen konnten fortgesetzt werden. Aber was genau wird dort eigentlich gemessen? Mit welchen Methoden und Instrumenten? Und wieso finden die Messungen überhaupt in der Antarktis statt?

 

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Besuch bei den Pinguinen

Gerhard Weigand am 22. August 2009 um 13:01

Nachdem bei unserem letzten Ausflug aufs Meereis Ende Juli (siehe Uli’s Bericht) die Pinguine beim Brüten waren, nutzten wir einige schöne Tage um erneut unsere Nachbarn zu besuchen. Jetzt waren die meisten Eier bereits ausgebrütet und das Geschnatter der Tiere war durchmischt vom Gefiepse der Kleinen. Noch sind sie allerdings sicher in der Bauchfalte versteckt, schauen nur selten neugierig hervor und werden von den Eltern betreut und gefüttert.

Vielleicht könne wir beim nächsten Besuch die ersten eigenen Schritte beobachten….

TV-Tip: Thema Eiszeit

Felix Riess am 31. Juli 2009 um 14:54

Für die treuen Freunde unseres Blogs, Fans der Sendereihe “Eiszeit” und natürlich auch alle anderen Interessenten am Arbeiten und Leben auf der Neumayer-Station gibt es im Rahmen des Sommersonderprogramms 2009 der PHOENIX-Redaktion am kommenden Montag, den 3. August 2009, von 14:45 Uhr bis 17:00 Uhr (!) auf PHOENIX eine Sondersendung “Thema: Eiszeit mit Interviews, Reportagen und einem Live-Telefonat in die Antarktis, dazu Höhepunkte aus dem Festakt zur Einweihung der “Neumayer III-Station” in der Antarktis sowie eine Reportage über die Entstehung dieser Forschungsstation von Heinz Abel.

F. Riess)

Neumayer-Station im März 2009 (Bild: F. Riess)

Pinguinausflug

Ulrich Maennl am 29. Juli 2009 um 18:26

Hier in der Atka-Bucht halten sich die Ausflugsmöglichkeiten sehr in Grenzen. Aus diesem Grund ist es umso erfreulicher, dass sich in nur ca 10km Entfernung von der Station eine größere Kolonie von Kaiserpinguinen befindet.

Panoramabild der Kolonie in der Atka-Bucht

Panoramabild der Kolonie in der Atka-Bucht

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Sonnenaufgang

Gerhard Weigand am 26. Juli 2009 um 23:04

Am Donnerstag war es endlich soweit. Um 12.06h UTC ging die Sonne das erste Mal wieder auf, nachdem sie sich zuletzt am 19. Mai hier gezeigt hatte.

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