Jeden Winter findet sie einmal statt: die “Traverse” der Geophysik, eine Expedition der beiden Geophysiker zu ihren Außenstellen. Auf den Höhenzügen Søråsen und Halfvarryggen, beite etwa 100 km Fahrtstrecke von der Neumayer-Station entfernt, befinden sich Erdbebenwarten, die Erschütterungen der Erde registrieren und per Funk in das Geophysik-Observatorium der Station übertragen.
Dieses Jahr war es im Oktober so weit. Das Expeditionsfahrzeug war ein Pistenbully mit angehängtem Wohncontainer und zusätzlichem Materialschlitten für Ersatzteile und Werkzeug. Die Mannschaft bestand neben den beiden Wissenschaftlern noch aus Koch, Elektriker und Funker, die sich als Freiwillige für Arbeiten aller Art angeboten hatten. Das erste Ziel war die “Olymp” genannte Station auf dem Søråsen. Das Kettenfahrzeug kommt auf dem harten Eis und mit der schweren Last nur langsam voran, so daß die Fahrtzeit bis zum Ziel mehr als zehn Stunden betrug. Während die beiden Insassen des Führerhauses noch halbwegs komfortabel reisen konnten, wurden die Passagiere im deutlich schlechter gefederten Wohncontainer reichlich durchgeschüttelt.

Pistenbully mit Wohncontainer und Schlitten
Die Aufgabe auf dem Olymp bestand darin, die Station komplett abzubauen, da sie im kommenden Sommer von analoger auf digitale Technik umgerüstet werden soll. Der Fahrer des Pistenbullys war mehrere Stunden damit beschäftigt, den Schneezutrag des letzten Jahres zu beseitigen. Danach waren Seismometer, Datenerfassung und Antennenmast schnell ausgegraben, so daß die ganze Arbeit an einem halben Tag erledigt werden konnte und bereits am nächsten Tag die Fahrt zum Halfvarryggen angetreten werden konnte.
Dort war der Gruppe leider kein Glück mit dem Wetter beschieden. Die ersten zwei Tage stürmte und schneite es heftig, so daß so gut wie keine Arbeiten im Freien erledigt werden konnten. Auch dem Dieselgenerator, der den Wohncontainer mit Strom versorgte, gefiel das Wetter nicht besonders gut. Viele verschiedene Konstruktionen wurden erprobt, bis schließlich eine halbwegs stabile Variante gefunden war, um das Aggregat vor dem Schnee zu schützen und trotzdem ausreichend Luftzirkulation zu ermöglichen.
In dem wohnwagengroßen Container war es zu fünft recht gemütlich, aber auch sehr eng. Der Koch hat sich alle Mühe gegeben, auf den zwei kleinen Gaskochstellen leckere Menüs zu kreieren, und es ist ihm ausgesprochen gut gelungen! So vergingen zwei Tage mit Essen, Aufräumen, Lesen und Filmgucken auf dem Laptop. Als der Wind endlich ein wenig nachließ und die Sonne vorsichtig hinter den Wolken hervorschaute, konnte das Ausgraben der Seismometer beginnen. Die “Watzmann” genannte Station soll zum Jahreswechsel auch modernisiert werden, der Observatoriumscontainer sowie die Meßgeräte bleiben jedoch erhalten, so daß vorwiegend Wartungsarbeiten auf dem Programm standen. Diese verliefen erfreulicherweise ohne große Probleme und konnten zügig abgeschlossen werden. Zur Feier des erfolgreichen Abschlusses der Expedition gab es noch ein kleines improvisiertes Grillfest mit Kudu- und Straußenfilet vom Gasgrill. Schließlich kann man in der Antarktis bei -15°C schon von Grillwetter sprechen!

Seismik-Observatorium auf dem "Watzmann" vor dem Schneeräumen
Insgesamt dauerte der Einsatz an den beiden Standorten eine Woche. Während der ganzen Zeit stand die Mannschaft regelmäßig per Funk mit den Daheimgebliebenen auf der Neumayer-Station in Kontakt. Per Satellitentelefon konnten auch kurze E-Mails gesendet und empfangen werden, was vorrangig zur Übermittlung von aktuellen Wettervorhersagen genutzt wurde.
Die Rückfahrt konnte dann bei strahlendem Sonnenschein angetreten werden. Nach einer Woche auf Expedition haben sich alle auf eine heiße Dusche gefreut! Für die bevorstehende Sommersaison ist ein deutlich längerer Feldeinsatz geplant, um die Erdbebenwarte “Olymp” komplett neu aufzubauen und die Technik auf dem “Watzmann” grundlegend zu erneuern. Die Winter-Traverse war dafür die “Generalprobe” und kann als durchweg gelungen betrachtet werden.