Blogempfehlung…

Heute bin ich während meiner Recherchen auf folgendes Blog gestoßen: Afghan Lord. Nasim Fekrat schreibt dort aus Kabul, ist 25 Jahre alt und hat 2005 mit seinem Blog einen Award von Reporter ohne Grenzen gewonnen. Habe dort ein wenig herumgestöbert und finde, dorthin lohnt sich ein regelmäßiger Blick. Immerhin sitzt Nasim ein bischen näher am Geschehen als wir alle hier. Und es ist interessant wie ein in Afghanistan lebender junger Mensch das Geschehen am Hindukusch bewertet. Nasim organisiert Workshops, um jungen Leuten, Journalisten oder Studenten das Bloggen nahe zu bringen

“My name is Nasim Fekrat and I’m 25 years old. I born in the land of pain and injustice. Whatever I want for myself, I wish for the others. I write from Kabul. I write what I see and what I hear. I am the winner of the in 2005 Freedom of Expression Blog Awards of RSF (Reporters without Borders) - France among seven Bloggers throughout the world. I am obviously a defender of freedom of expression and independent media free of threats and intimidation. I want to highlight the problems of my society in an independent manner, without fear and in a non-partisan manner in regards any group or political interest in Afghanistan…”

Ein Interview von Global Voices mit Nasim Fekrat hier.

Ein Kommentar zu “Blogempfehlung…”

  1. Helga D.

    „Mobiltelefon ist der elektronische Basar“ - Oberst Dietger Lather berichtet erneut aktuell aus seinem Isaf-Einsatz:

    „Bamiyan, Provinz im Zentrum Afghanistans, erlangte 2001 traurige Berühmtheit, als Taliban die über 50 m hohen Buddhastatuen zerstörten. Seit über einem Jahr wurden hier keine Anschläge auf Soldaten verübt. Weil es so friedlich sei, erklärt mir später die einzige Gouverneurin Afghanistans, sei diese Provinz vergessen. Es fehlen die Warlords und die Anschläge – erst dann sei man sich der Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit sicher. Soldaten würden entsandt und mit ihnen Entwicklungshilfe. Habiba Sarabi sagt es ohne Sarkasmus, eher nachdenklich. Sie wird als aktive und für die Menschen sorgende Frau beschrieben. Unterstützung aus Kabul erfährt sie kaum. Ein mächtiger Regierungsangehöriger ist ihr nicht wohlgesonnen und unterläuft alle Entwicklungsprogramme für die Provinz. Stammeskonflikte sind nicht die Ursache, er will ihr keinen politischen Erfolg gönnen, sagt sie.
    Weiter westlich fahren wir durch ein felsiges Tag, gesäumt von hohen Felswänden. Eine überwältigende steinerne Kulisse, doch weder Wasser noch Ackerland. Kein Radioempfang, keine Zeitung wird sich hierher verirren. Durch die offenen Tore sehe ich aber Solarzellen und Satellitenschüsseln für den Fernsehempfang. Vor vier Jahren wurden die Dorfbewohner aus dem Iran und Pakistan ausgewiesen und hier angesiedelt. Seither warten sie auf die Erschließung der Erzvorkommen, die über 1000 Arbeitsplätze schaffen sollen. Doch es sind drei Stunden Fahrt bis dorthin. Frau Zainab Rezaee war es, die jene kleinen Solaranlagen beschafft hat, die Strom für die Häuser liefern – und die Satelliten-TVs. Lächelnd erzählt sie, Männer hätten es wohl für andere Dinge ausgegeben und die um uns herum Sitzenden nicken zustimmend. Ob sie denn keine Drohungen erhält, wenn sie sich so verhalte? Mit einem ähnlichen Lächeln antwortet sie, man könne sich in Afghanistan nicht betätigen, ohne in Gefahr zu geraten. Solange sie aber für ihr Dorf arbeite und bei den Bewohnern anerkannt ist, fühle sie sich sicher.
    Lehrerin ist sie auch. An ihre Schüler verteilen wir die „Sada e Azadi“ aus, unsere Isaf-Zeitung. Auch wenn nach der letzten Medienumfrage nur 4 % der Afghanen Zeitung lesen, werden wir sie weiter publizieren und medienpolitische Entwicklungshilfe leisten. Wer sonst sollte Menschenrechte oder die afgh. Verfassung erklären. Die in Dari und Paschtu, den beiden Hauptsprachen in AFG, und in Englisch erscheinende Zeitung wird in Schulen und Universitäten verteilt. Sie ist das einzige Medium, das im ganzen Land und den Tälern verbreitet werden kann. Dort, wo weder Fernsehen noch Radio empfangen werden können.
    Völlig anders ist es in den Städten. In Masar-e Sharif schauen über 80 % regelmäßig Fernsehen. In Kabul haben weniger die Möglichkeit, da in den Nächten oft der Strom ausfällt. Ist Strom vorhanden, laufen die Flimmerkisten. Dreißig Jahre Krieg und Elend haben die Sehnsucht nach der heilen Welt geweckt – Satelliten machen es möglich. Selbst in den Vorzimmern der Minister leidet man mit den indischen Schönheiten aus Bollywood. Und dies in einem Land, in dem unabhängige Journalisten gefährlich leben. Medien leiden unter dem Druck von staatlicher und religiöser Seite sowie unter den Feinden der Regierung. Zensur wird ausgeübt und per E-Mail gehen freundlich zurückhaltend formulierte Todesdrohungen ein.
    Fast zwei Drittel der Bevölkerung glauben zunächst einmal dem Gedruckten und Gesendeten. Die Erfahrungen mit den Medien sind noch frisch. Aber über zwei Drittel der Bevölkerung glauben der Taliban Propaganda nicht. Zu oft haben Afghanen die Grausamkeit der Selbstmordattentäter oder die Exekution Unschuldiger erleben müssen. Wer in dieser Kultur einmal das Vertrauen verloren hat, kann es nicht wiedergewinnen. Internationalen Organisationen und das intern. Militär werden mit gleichem Anspruch gemessen. Zu oft schon haben die Afghanen Versprechen nicht erfüllt gesehen.
    So überrascht es auch nicht, dass fast ein Viertel der Menschen nur den Nachrichten glauben, die sie von Vertrauten erhalten. Mit dem Erzählen im Kreis der Familie, der Ältesten und Familienoberhäupter wird Wissen weitergegeben. Medienarbeit im europäischen Stil erreicht die Dörfer und Häuser nicht. Medienarbeit in Afghanistan beginnt mit Gesprächen, um Vertrauen zu den einflussreichen Menschen aufzubauen, deren Wort gehört wird. Sowohl für weltliche wie religiöse Botschaften. Sie finden über das Gespräch ihren Weg in die entlegenen Täler. Allerdings viel schneller als jemals zuvor. Afghanistan ist ein Land mit einer rasant wachsenden Informationsinfrastruktur. Viele Menschen können nicht lesen und schreiben, aber über das Handy wird miteinander gesprochen, es ist der elektronische Basar.
    So auch der Provinzgouverneur, der soeben über Handy seine entlegen lebenden Dorfältesten erreicht hat. Wir sitzen auf dem Teppich. Er lässt das Abendessen auftragen und das Erzählen steht im Mittelpunkt. Einen Tag später ruft er an und fragt, wann unser Gespräch in der „Sada e Azadi“ abgedruckt wird. Er möchte Kopien. Aber ich bin sicher, dass er den Inhalt unserer Gespräche weitergeben wird und ihm geglaubt wird.“

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