Kabul: Frauendemo gegen Ehegesetz…
Im Streit um das afghanische Ehegesetz ist es in Kabul zu Zusammenstößen zwischen Befürwortern und Gegnerinnen gekommen. Rund 200 meist schiitische Kritikerinnen hatten sich vor einer ebenfalls schiitischen Hochschule versammelt. In Sprechchören forderten sie Änderungen an dem Gesetz, das Frauen nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt, Geschlechtsverkehr mit dem Ehemann abzulehnen.
Plötzlich stürmten mehr als 1000 Befürworter des Gesetzes aus der Universität. Unter ihnen waren auch etwa 300 Frauen. Sie umstellten die Gruppe und beschimpften die Demonstrantinnen als “Abtrünnige und Sklaven der Christen”. Die Situation eskalierte, vereinzelt flogen Steine. Ein Mann etwa bewarf eine der Frauen und rief: “Du Hündin der Westler, verschwinde von hier.” Die Polizei versuchte, die Gruppen auseinander zu bringen.
Die meisten der Gegendemonstranten sind Anhänger des schiitischen Klerikers Hajatullah Scheich Mohammad Asif Mohsini. Dieser verteidigt das Eherecht: “Die Medien kritisieren, dass ein Frau sich nicht gegen Sex wehren darf. Das ist nicht wahr. Bei klaren und vernünftigen Gründen oder indem sie ihren Ehemann um Erlaubnis fragt, kann sie dies durchaus.” (weiterlesen auf Zeit.de oder auf Reuters.de)
Unter den Demonstrantinnen waren auch Frauen wie die 24-jährige Mariam Sadschadi. Sie sei verlobt und werde ihren Mann um Erlaubnis fragen, wenn sie das Haus verlasse, sagte die junge Frau. Die Bestimmungen zum Geschlechtsverkehr in der Ehe seien von antiislamischen Kreisen im Westen falsch interpretiert worden.



am 17. April 2009 um 8:01 am Uhr.
[...] Hier ist es geradezu von symbolischem Wert, dass die Proteste vor der Kabuler Universität stattfanden, einem Ort, der für Fortschritt und Wandel in Afghanistan steht. Geradezu erstaunlich ist es daher, dass etwa 1000 Befürworter des Gesetzes aus dieser “Festung geitigen Wandels” strömten, um die rund 200 Demostrantinnen zu umringen. [...]
am 17. April 2009 um 11:39 pm Uhr.
Mann kann halt eben nicht erwarten, dass jahrhunderte alte Traditionen (oder wie auch immer man es nenne will) sich auf einmal verändern, nur weil wir im Westen dies erwarten. Afghanistan war, ist und wird auch in Zukunft ein islamisches Land bleiben. Mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen.
am 18. April 2009 um 11:15 am Uhr.
Einerseits einer positives und hoffnungsvolles Zeichen für doch vorhandenen Willen, etwas zu verändern, sich aufzulehnen - ein äußerst mutiger und hoch anerkennenswerter Schritt dieser Frauen!
Andererseits ein herber Rückschlag, wenn über 1000, davon ca. 300 Frauen, intellektueller Gegendemonstranten aus der Universität gegen einen Wandel bzw. “Menschenrechte” sind. Darf man nicht gerade von dieser “geistigen Elite” mehr Ein- und Weitsicht erwarten? Würden sich diese studierenden “Gegendemonstrantinnen” das Recht auf Bildung verwehren lassen bzw. nur mit ausdrücklicher Zustimmung ihres Mannes?
Vielleicht waren gar diese “Gegendemonstrantinnen” gezwungen worden, gegen ihre “Schwestern” in der Öffentlichkeit aufzutreten.
Die Gegnerinnen dieses verachtungvollen Gesetzes bedürfen die Unterstützung aller muslimischen “Schwestern” auf der Welt - nicht die der “Ungläubigen”!
Auch wir in der westlichen Welt hatten in unserer Vergangenheit immer wieder mutige und kämpfende Frauen, was zu oft vergessen wird. Die Männer haben uns unsere “Frauenrechte” auch nicht geschenkt.
Hoffentlich kämpfen die afghanischen Frauen weiter…
Helga D.
am 26. April 2009 um 5:52 pm Uhr.
Es ist ja sehr lobenswert, wenn die Frauen in Afghanisten für ihre Rechte kämpfen. Nur was werden sie damit erreichen ?
Meiner Meinung nach doch nur, dass diese Männerwelt noch brutaler und meschenverachtend gegen diese Demonstratinnen vorgehen wird.
Natürlich gab es auch in unserer Vergangenheit starke und kämpferische Frauen. Nur darf man nicht vergessen, dass wir bei uns nicht die Bibel
als Lebensratgeber hergenommen haben, wie die Muslime ihren Koran.
Gisela L.