Viele Fragen…

Nach ein paar Tagen privater trauriger Umstände melde ich mich nun zurück. Vielen Dank für die Anteilnahme.

Deutschland schickt nun weitere 600 Soldaten nach Afghanistan, was ja mit der Mandatsänderung - bis auf 4500 Soldaten erhöhen zu dürfen - erwartbar war. Jetzt interessiert mich Ihre Meinung: wir beklagen ja hier oft, dass in den Medien überwiegend nur Negativberichterstattung (über Attentate, Tote etc.pp.) aus und über Afghanistan zu sehen und zu lesen ist als über Erfolgsgeschichten, die das Land (auch) voran bringen. Die Politik hält sich zum Thema Afghanistan im Wahlkampf merkbar zurück - die kürzlich versprochenen Interviewantworten von CDU und Die Linke  lassen immer noch auf sich warten - das Unverständnis und öffentliches Interesse für diesen Einsatz ist immer noch gering, die anstehenden Wahlen in Afghanistan lassen zusätzlichen Terror schon erahnen…doch wie zufrieden sind Sie allgemein mit der Medienberichterstattung aus Afghanistan? Fühlen Sie sich ausgewogen informiert? Oder ist es Ihnen zu einseitig? Viele Bundeswehr-Kritiker unterstellen den militärischen Öffentlichkeitsarbeitern ja, mit ihrer Informationspolitik nur in eine “Richtung” zu gehen, wenig Kritik zuzulassen oder sich im taktischen Dunstkreis von gesteuerten “Wahrheiten” zu bewegen. Wenn dies tatsächlich so wäre, müßten wir ja tägliche Hurra-Berichte aus Afghanistan bekommen. Dass die Lage vor Ort ernster wird, ist klar. Ist es nun einer “open-mindeteren” Presseoffizieren zu verdanken, dass die offenbar immer schwierigere Lage in Afghanistan transparent in unsere Wohnzimmer transportiert werden kann?  Oder probieren die Journalisten mit ihren Reportagen, die “Heimatfront” in ihre persönliche Meinungsrichtung zu bringen? Oder schafft es die Politik elegant, die Berichtertstattung über die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr geschickt zu “koordinieren”? Oder paßt sich die militärische Pressearbeit den Realitäten an? Fragen, die wir hier so noch nicht diskutiert haben. Oder sind doch die Taliban und Al Kaida Propagandisten die erfolgreicheren Wirkungskräfte öffentlicher Meinungsbildung in eine bestimmte Richtung? Mit Sicherheit ein philosophisches Thema, aber ein spannendes…

Wie erfolgreich und nachhaltig das Wirken der Taliban in Afghanistan ist, darüber konnten wir uns gestern Abend umfassend informieren:


8 Kommentare zu “Viele Fragen…”

  1. Georg

    Dann will ich mal den Anfang wagen…

    Ich denke man muss über die Zustände in AFG und die Berichterstattung darüber gedanklich sauber trennen.

    Wenn jemand sich nur beiläufig in den Medien informiert, ohne besonderes Interesse an dem Thema, dann kennt er vielleicht die Stichworte Wiederaufbauhilfe, militärische Absicherung der Hilfe, Polizeiausbildung, Armeeausbildung und böse Taliban mit Steinzeitjustiz. Recht viel mehr wird der nur am Rande Interessierte nicht aufnehmen. Vielleicht noch, dass es gefährlich ist in Afghanistan.
    Dies ist nur die deutsche medientechnische Interpretation der Verhältnisse dort. Eine britische, kanadische, amerikanische, norwegische oder niederländische Berichterstattung wird andere Schwerpunkte setzen.
    Also ist das Medienbild immer nur ein Ausschnitt, und zwar der von der Politik gewünschte Ausschnitt aus der wirklichen Lage vor Ort.
    Wenn man sich im Internet, in den verschiedenen Foren, Blogs informiert und vielleicht noch ein paar Bücher über die Ereignisse in AFG liest, hat man einen anderen Überblick über die Lage im Land dort.
    Und am Intensivsten ist das eigene Erleben. Dies kann zwar auch nur ein Ausschnitt aus der Gesamtlage sein, aber subjektiv wird jeder sagen, so isses !

    Wenn man die recherchierbaren Fakten anschaut und die öffentliche Berichterstattung damit vergleicht, sieht man, dass unsere Bevölkerung bewusst dumm gehalten, bzw einseitig informiert wird. Dies geschieht aus nachvollziehbaren politischen Gründen !

    Ich will mal einen Gegenentwurf zu unserem Medienbild über AFG wagen.

    Die meisten Afghanen sind streng gläubig. Viele, insbesonder in ländlichen Gebieten, lehnen Nichtgläubige oder Ausländer schlichtweg ab. Bestenfalls werden sie geduldet. wenn es für das eigene Wohlergehen vorteilhaft ist.
    Der Unterschied zwischen ein Taliban-Mullah und einen Nicht-Taliban Mullah ist gering. Zu 90 % stimmen ihre Glaubens- und Lebenswelten überein. Die traditionelle Regierungsform sind die Stammesgesellschaften. Ein Zentralstaat ist ihnen wesensfremd. Ob er jemals durchsetzbar ist, ist fraglich. Der Bürgermeister und der Mullah sind die obersten Instanzen in einem Dorf. Die Afghanen sind ein stolzes Volk und lehnen jegliche Einmischung von Außen ab. Die Fremden werden als Hilfe und Geldquelle betrachtet, haben aber die politische Entwicklung des Landes nicht zu bestimmen.
    Die Gegner der Zentralregierung und damit des sie unterstützenden Westens, sind ein Sammelsurium von Gotteskriegern, versprengte ehemalige islamistische Kommunisten (Hektmatjar), Aufständische, Söldner die für Geld kämpfen, Drogendealer (soweit sie nicht der Regierung angehören) und gewöhnliche Kriminelle, sowie ein paar Ausländer, hauptsächlich aus Saudi Arabien, die wir El-Kaida nennen
    Der Kampf ähnelt der Bekämpfung der neunköpfigen Hydra, sobald ein Kopf abgeschlagen ist, wächst sofort ein neuer Gegner nach.

    Ausländische Medien berichten auch über diesen wenig aussichtsreichen Kampf (Englische Kanäle, z.B.http://vimeo.com/2694535 oder auch ein Bericht über ein amerikanisches vorgeschobenes Lager ( http://www.guardian.co.uk/world/video/2009/feb/13/us-military-afghanistan-outpost , Thomas Wiegold hat darüber berichtet ).

    Was bleibt ?

    Unzweifelhaft hat die internationale Gemeinschaft und auch die Deutschen das Land nach 30 Jahren Krieg an der Grenze des Militärblöcke des kalten Krieges ein Stück weit wieder aufgebaut. Von unseren Demokratisierungsbemühungen, Menschenrechtskampanien (Gleichberechtigung der Frau) usw. wird im breiten afghanischen Volk nicht viel übrig bleiben.

    Auf der anderen Seite hat sich die Drogenwirtschaft fast verzehnfacht seit dem Sturz der Taliban, die Korruption zerfrisst die Gesellschaft, die Taliban haben die sicheren Rückzugsräume in Pakistan, sind schon längst wieder in weiten Teilen der afg. Gesellschaft infiltriert. Für die Afghanen, eine Stammesgesellschaft zählt eine politische Grenze wenig. Die Paschtunen im SWAT-Tal in NW-Pakistan sind ihre Brüder. Die Pakistani haben die Autorität in dem nur 160 km von der Hauptstadt Islamabad entfernt liegenden Tal de facto an die Taliban übertragen. Das bedeutet im Siedlungsgebiet der Paschtunen gibt es ein Gebiet mit offizieller Taliban-Regierung. Der ideologische Unterbau wird in den Koran-Schulen herangezüchtet. Dies geschieht auch in Afghanistan und wie gesagt, zu 90 % sind ihre Inhalte deckungsgleich.

    Ich befürchte auf die lange Schiene geht der Westen wieder aus Afghanistan heraus und ob sich die kulturell fremde Regierungsform mit Korruption usw gegen eine religiös und ideologisch überzeugte Führungselite der Taliban mit, aus ihrer Sicht moralischen Grundsätzen, halten kann wage ich zu bezweifeln.

  2. Gisela L.

    Sehr geehrter Georg,

    …. wenn ich Ihren Kommentar lese , frage ich mich allen Ernstes :
    was machen die Nationen, allen voran die Deutschen , denn dann noch in diesem Land ??
    Es ist ja schon gefaehrlich für Afghanen sich mit den Soldaten , egal welcher Nation, sehen zu lassen. Dafür wird spaeter ein Dorf mit Toten bestraft. Wann soll man dann Aufbauhilfe leisten? In den Schulen die gebaut wurden, wenn sie dann nicht wieder vernichtet werden, -
    lernen die Kinder schon , wie man sich als kleiner “Taliban” zu verhalten
    hat. Also waechst doch eine neue “Terrororganisation” schon von Kindesbeinen heran.
    Wenn Sie schreiben dass, wenn ein Kopf abgeschlagen ist, waechst - wie
    bei der neunköpfigen Hydra, - gleich wieder einer nach , dann wird man gegen eine religiöse und ideologische Führung in diesem Land, mit morallischen Grundsaetzen, wie wir sie kennnen, nicht viel, - und so wie ich das sehe, - gar nichts ausrichten können.
    Das die Medienlandschaft uns hier nur die halbe, - wenn überhaupt, -
    Wahrheit berichtet, ist glaube ich , nichts Neues.
    Ergo, - haben alle Nationen die in Afghanistan taetig sind, die Gelder in dieses Land gebracht haben, nur für einen Tropfen auf dem heissen Stein gearbeitet.
    Mir persönlich liegen alle notleidenden Menschen sehr am Herzen! Aber, -wenn ich sehe was passiert, und gerade in Afghanistan , wenn man Hilfe bringt, die auch angenommen wird, aber von Fanatikern total verstört wird, dann sollte man den Verstand einschalten. Dann kommt man mit dem Herzen nicht weiter.
    Sicher gibt es in Afghanistan Menschen, die sehr , sehr dankbar für die Hilfe von aussen sind, aber wenn diese dann von den “Taliban” dafür zu Rechenschaft gezogen werden……….dann frage ich mich, soll man das den Menschen in diesem Land auch noch antun ???
    Ihr Kommentar, lieber Georg , hat mich ganz schön aufgerüttelt. Ich weiss bald nicht mehr, was ich denken soll. Sich weiter involvieren , oder lieber lassen ????

    Beste Grüsse
    Gisela L.

  3. Helga D.

    Wie unabhängig Medienberichterstattung tatsächlich ist, wird augenfällig durch das Vertragsgezerre des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender, dessen Vertrag nach dem Willen von CDU und CSU nicht über das Jahr 2010 verlängert werden soll. Früher „routinemäßiges Parteiengezänk“ – heute „Macht der Politik über das Fernsehen“? Wie schreibt die F.A.S. von heute: „Es geht um die Enteignung und Vergesellschaftung des politischen Bewusstseins.“

    Für mich „riecht“ die aktuelle Berichterstattung stark nach einem versuchsweise geordneten Rückzug der NATO-Truppen – jetzt noch einmal „ranklotzen“ mit der Erhöhung der Einsatzkontingente, um dann „mit erhobenem Kopf“ sagen zu können, „den Rest müsst ihr jetzt alleine machen.“ Dass dieser Tag kommen muss, hat man ihn seinerzeit schon „verpasst“, liegt auf der Hand. Nach so vielen Jahren „Krieg“ liegt das Interesse und erst Recht das Verständnis der Nation(en), falls überhaupt je vorhanden, gleich Null – schließlich werden wir täglich neu mit allerschlimmsten Katastrophen- und Menschenrechtsverletzungsmeldungen aus aller Welt konfrontiert.

    Verteidigungsminister Gates hat den deutschen Beitrag zur Stabilisierung Afghanistans gelobt. Einige Staaten seien in Afghanistan sowohl militärisch als auch im Wiederaufbau engagiert, sagte er zum Abschluss des NATO-Verteidigungsministertreffens in Krakau: „Wir tun beides, die Deutschen tun beides in bedeutender Form.“ Seltsam, unter Bush hörte sich das noch vor wenigen Monaten ganz anders an…

    Wäre es nicht auch eine verantwortungsvolle Verpflichtung den Afghanen gegenüber, fair, klar und deutlich zu formulieren, wann Schluss ist? Manch einer benötigt einen gewissen Druck, um in Bewegung und gar Fahrt zu kommen.

    Ein Beispiel aus einem ebenfalls stark patriarchalischen Land wie Saudi-Arabien gibt Hoffnung:
    Der 86-jährige „Reformkönig“ hat vor einer Woche Reformblockierer ausgetauscht. Er brachte mit der umfassendsten Umbildung von Ministerien, Gerichten und anderen Staatsorganen „seine Leute“ in Stellung. Der Reformprozess soll unumkehrbar sein.
    Noura al Fayez ist die erste Ministerin in diesem Land. König Abdullah Bin Abdalazik Al Saud hat sie wegen ihrer Fachkompetenz als Pädagogin in die „Dreierspitze“ des saudischen Erziehungsministerium berufen. Der zweite in der Ministerriege, Prinz Faisal Bin Abdullah Bin Muhammad Al Saud, hat politisches Gewicht, als Vertrauter des Königs, als langjähriger stellvertretender Chef des saudischen Geheimdienstes und als Leiter der wichtigsten Thinktanks, der eine Öffnung und vorsichtige Liberalisierung des Königreichs propagiert.

    Auch die Afghanen müssen sich „öffnen“, wenn sie in der Welt anders wahrgenommen werden wollen. Ein Volk muss alleine die Richtung bestimmen können, wie schnell und wie weitreichend die Erneuerung des Landes vor sich geht. Es braucht die eigenen Menschen, die den Willen und den Mut haben, diese Verantwortung zu übernehmen: Wo wären wir heute in Deutschland, wenn es nicht auch damals risikofreudige und unternehmerische Köpfe gegeben hätte, die die Chance für das eigene Land, selbstverständlich verbunden mit dem eigenen persönlichen Wohlergehen, gesehen und genutzt hätten?
    Wie das Leben der Gesellschaft gestaltet wird, geht uns gelinde gesagt, schlicht und einfach nichts an. Dass muss aus dem Innern eines Volkes kommen, nur dann wird es auch auf Dauer Bestand haben! Auch die europäische und amerikanische Geschichte zeigt uns, dass die Erneuerung und Befreiung nie ohne Opfer gestaltet werden konnte.
    Die Afghanen müssen wissen, wie lange sie die „Ungläubigen“ noch ertragen müssen – und sie müssen erkennen, dass es an ihnen liegt, ob sie die Chance nutzen wollen.
    In einer Demokratie gilt die Mehrheitsentscheidung: Wer in Afghanistan die Mehrheit hinter sich hat, wird sich dann zeigen – der Westen hat die politische Entscheidung des afghanischen Volkes zu akzeptieren, auch wenn sie uns ganz und gar nicht gefällt!

  4. Georg

    Das Problem mit der Zukunft ist, dass man sie nicht vorhersagen kann !

    Wie die Kampagne in Afghanistan ausgeht, kann man erst im Nachhinein sagen. Zurückblickend war natürlich alles vorhersehbar und lagen alle Fakten logisch auf dem Tisch.

    Frau Gisela L. und Frau Helga D. ,

    ja sich sollen sich weiter engagieren. Wegen den afghanischen Menschen, aber vor allem wegen den dort stationierten Bw-Soldaten. 30 gefallene deutsche Soldaten, ein Vielfaches an verletzten Soldaten brauchen ihre Unterstützung gegen das gesellschaftliche Vergessen.

    Vom Grundsatz her hat unsere Sorge für alle Menschen gleich zu gelten. Für die in Afghanistan, in Ruanda, im Kongo, im Südsudan und im West-Sudan, in Dafur alles sind sie als Ebenbild Gottes geschaffen worden. Nur kann man sich nicht um alle Menschen gleich intensiv kümmern.

    Die deutschen Soldaten in Afghanistan sind aber aufgrund einer politischen Entscheidung der Abgeordneten des deutschen Bundestages dort. Sie brauchen unsere Unterstützung gegen das gesellschaftliche Vergessen.

    In einer Analogie ist es wie mit einem deutschen Polizisten. Er riskiert seine Haut, damit andere in Frieden und Sicherheit leben können. Bei der Verfolgung eines Mörders hat er sicherlich keine Gewissensbisse und volle gesellschaftiliche Unterstützung. Wenn er hingegen seine Gesundheit in der Verfolgungsjagd eines Bankräubers riskiert wird es schon schwieriger. Wenn er sich vorstellt, er wird dabei nachhaltig verletzt, kann er darüber sinneren für was er das riskiert hat, wo heute die wahren Bankräuber als Investmentbanker in der Vorstandsetage sitzen, die Bank mittels Bonizahlungen ausrauben und das Chaos was sie hinterlassen haben durch die Gesellschaft bezahlt werden muss.

    Ich hoffe kein verletzter deutscher Soldat muss sich je die Frage stellen, für was er seine Gesundheit riskiert hat. Zumindestens die gesellschaftliche Anerkennung seines Einsatzes muss ihm gewiss sein !

  5. Gisela L.

    Liebe Helga D.,

    …. um , - wie Sie kommentiert haben, und das hervorragend, -
    wahrgenommen zu werden , sich zu öffnen der Welt gegenüber, steht diesem Land, ihre Relegion im Wege.
    Der Koran hat sehr viele Gebote, - aber noch mehr Verbote.
    Diese Menschen leben mehr nach ihrem Koran, als die westliche Welt nach der Bibel.
    Und das eine Demokratie in diesem Land irgenwann mal entsteht, —-
    würde das ” Lebensbuch” dieser Menschen über den Haufen werfen.

    Beste Grüsse
    Gisela L.

  6. Helga D.

    @Georg:

    Der Hoffnung in Ihrem letzten Absatz schließe ich mich von ganzem Herzen an - wie anders sollte man auch einen Einsatz mit den damit verbundenen persönlichen Auswirkungen als Familie eines Soldaten überhaupt “verkraften”? Muss ich - wenn auch kritisch - nicht letztlich an das Gute der Mission glauben?
    Gleichzeitig ist man aber auch “denkender” Bürger Deutschlands und Europas - da schlagen oft zwei Herzen in einer Brust bzw. der Bauch sagt oft etwas anderes als der Kopf!
    Aus Gesprächen weiß ich, dass es vielen Soldaten ebenso geht - der Job auf der einen Seite, der “Staatsbürger (in Uniform)” auf der anderen.
    Dies ist für viele in der Gesellschaft unverständlich, ist doch der Mensch von heute geneigt, nicht mehr auf ein sicheres und bequemes Wohlstandsleben zu verzichten: Dienst von 8 - 16 Uhr, freitags bis 12 Uhr, das Wochenende und die Feiertage bei der Familie, Einhaltung von sämtlichen Arbeitsschutzgesetzen, damit man auch bloß nicht über ein lose herumliegendes Kabel auf dem Boden stolpert etc. - wie kann man da in ein solches Land wie Afghanistan gehen, irgendwie muss bei denen etwas nicht ganz stimmen, glauben die Soldaten etwa, “sie” könnten das Land retten - hämisch? Nein, Antworten und Kommentare der lieben Mitmenschen im Alltag!!!

    Helga D.

  7. Peter Klaus

    Ein „Paradebeispiel“, wie viel Informationen und Wahrheiten der Bürger zugeteilt bekommt: In einem von der Rhein-Zeitung mit Innenminister Schäuble geführten Interview verkauft er nachfolgendes tatsächlich als Erfolg.

    Schäuble: „…Wir müssen alles daran setzen, dass wir das Terrornetzwerk an den Wurzeln packen.“

    Rhein-Zeitung: „Gelingt dies in Afghanistan?“

    Schäuble: „Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich in der letzten Zeit eher verschlechtert. Aber es gibt auf der anderen Seite auch große Fortschritte: In vielen Teilen des Landes gibt es eine sehr gute wirtschaftliche Entwicklung; es gehen sehr viel mehr Kinder und insbesondere afghanische Mädchen zur Schule. Unsere Bemühungen sind keineswegs gescheitert. Wir werden jetzt zusammen mit der US-Regierung genau überlegen müssen, wie wir die Anstrengungen weiter intensivieren können. Klar ist: Allein mit militärischen Mitteln ist das Problem nicht zu lösen. Aber Deutschland hat sich ja auch in der Vergangenheit immer für den zivilen Aufbau eingesetzt. Wir haben derzeit fast 80 deutsche Polizisten vor Ort und seit 2002 mehr als 24 000 afghanische Polizisten aus- und fortgebildet. Aber um dies gewährleisten zu können, brauchen wir auch den Schutz der Bundeswehr. Das eine bedingt also das andere…“

    War der Journalist nicht informiert, oder hat er nachgefragt und keine Antwort erhalten oder wurde die Frage schlicht und ergreifend unter den Teppich gekehrt, sprich durfte nichts veröffentlicht werden, was nicht in das Schema passte, weil irgendjemand wiederum irgendjemand anderem verpflichtet war, oder weil man sonst zukünftig keine Interviews mit dieser Person mehr hinbekommt?

    Der „Otto-Normal-Bürger“ holt sich seine Informationen, außer aus der mit den großen roten Buchstaben – in der Regel aus seiner regionalen Tageszeitung, und jetzt muss er mit dieser „Erfolgsmeldung“ also leben. Kein Hinweis darauf, dass Deutschland und gerade er mit seinen Versprechungen als Innenminister völlig versagt hat – die Gründe (Zuständigkeit der Länder-Innenminister, Freiwilligkeit etc.) sind uns hier allen bekannt, müssen nicht wiederholt werden.
    Aber der weniger informierte „Otto-Normal-Bürger“ weiß es eben nicht – und da kommt die Aufgabe des Journalismus zum Tragen – da besteht „Aufklärungspflicht“, den “Finger in Wunden legen“ – nicht nur in Zeiten des Wahlkampfes, sondern jederzeit.
    Ob sich so mancher aus dieser Zunft, gerade in verantwortlicher Position, morgens noch im Spiegel betrachten kann? „Missbraucht“ er nicht vielleicht oft seine Möglichkeiten, „Stimmung“ zu verbreiten, oder spekuliert auf persönliche karrierefördernde Empfehlungen bestimmter Politiker…
    Es wird täglich schwerer, „Wahrheiten“ aus den Medien herauszulesen und zu hören, auch die einerseits gewünschte Aufmerksamkeit in den Medien bzgl. dieses Themas lässt mich in ihrer plötzlichen aktuellen Häufigkeit doch leicht vorsichtig aufmerken – fast täglich Meldungen über Afghanistan und unsere Soldaten auf allen Kanälen und in allen Zeitungen – die trotzdem nur „halbe Wahrheiten“ an den Tag bringen – wer hat wohl welches Interesse daran?
    Aktuell gestern:

    http://monalisa.zdf.de/ZDFde/inhalt/30/0,1872,7526334,00.html

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/697742?inPopup=true

    Peter Klaus

  8. Mehr positive Meldungen über Afghanistan, bitte! :: Das andere Afghanistan | Online-Magazin von ADRA zum Buch von Ursula Meissner

    [...] fünf Jahren in Afghanistan. Unser “Team”, d.h. die Soldaten der Bundeswehr, das jüngst wieder um 600 Mann aufgestockt wurde, hat offenbar nichts Positives zu vermelden. Würden wir in den Medien nicht immer wieder [...]

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