Abschied: 1600 Soldaten nach Afghanistan…
Rund 1.600 Soldaten, die bisher in Thüringen stationiert waren, beteiligen sich am Militäreinsatz in Afghanistan. Sie wurden in Gotha offiziell aus der Heimat verabschiedet. Unterdessen beriet der Bundestag über eine bessere Betreuung von traumatisierten Soldaten, deren Zahl wächst. In Afghanistan war es erst kürzlich wieder zu schweren Terroranschlägen gekommen.
Fordert Respekt für den Einsatz der Soldaten: Thüringens Landtagspräsidentin Dagmar Schipanski (CDU) Foto: dpa
Unterdessen beriet der Bundestag über eine bessere Betreuung von traumatisierten Soldaten. Der Wehrbeauftragte Reinhold Robbe sagte, insbesondere die Behandlung von Armeeangehörigen mit sogenannten Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) solle gestärkt werden. In den betroffenen Familien könnten die genannten psychischen Probleme zu einer Katastrophe führen. Die Zahl derer, die mit PTBS nach Deutschland zurückkehren, hat in den vergangenen Jahren zugenommen. (mehr dazu auf mdr.de. Sehen Sie dort auch einen Film über zugekehrte Soldaten aus Afghanistan)

am 15. Februar 2009 um 2:29 pm Uhr.
Wenn man davon ausgehen darf, dass dieser Einspieler des Plenarsaales im Deutschen Bundestag aktuell war, zeigt es mehr als deutlich, wie groß das wirkliche Interesse der Politiker ist - mehr als gähnende Leere!!!!
Armes Deutschland, arme Soldaten…
Peter Klaus
am 16. Februar 2009 um 2:21 pm Uhr.
Die Finanz-und Wirtschaftskrise scheint alle Politiker zu laehmen, und in beliebig langen Dauerschlaf zu versetzen.
Da bleibt für die Soldaten die auch ” Deutschland am Hindukusch”. verteidigen sollen , keinerlei Interesse mehr.
Menschlichkeit, - Anteilnahme, - Herzlichkeit ? — Ade !
Man hat schliesslich auch eine Menge damit zu tun, seine angehaeuften Gelder in Sicherheit zu bringen. Und seinen eigenen Keller von Leichen zu befreien, bevor der totale ” Exodus ” eintritt.
Ja, - Herr Klaus, Sie haben recht :
Armes Deutschland, armeSoldaten ….. Es tut einem in der Seele weh.
Gisela L.
am 16. Februar 2009 um 7:51 pm Uhr.
“Suizide unter US-Soldaten auf Rekordhoch” - 128 Soldaten nahmen sich das Leben.
Das “Schweizer Fernsehen” meldet: Die Zahl der Suizide im US-Heer ist im vergangenen Jahr auf den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen 1980 gestiegen. Mindestens 128 Soldaten nahmen sich 2008 das Leben, wie die Nachrichtenagentur aus Kreisen des Verteidigungsministeriums erfuhr. Die endgültige Zahl dürfte noch höher liegen, da mehr als ein Dutzend Todesfälle als verdächtig gelten und deren Ursache noch untersucht wird.
2007 nahmen sich 115 Soldaten das Leben, 2006 insgesamt 102. Ein Anstieg der Zahlen wird seit 2004 verzeichnet, damals verübten 64 Soldaten Selbstmord. Das Heer versucht, dem Trend mit Ausbildungs-und Vorbeugungsprogrammen sowie Psychiatern gegenzusteuern.
In einer Welt, in der der “Normalbürger” seinen Alltag kaum noch bewältigen kann - die Zahl der psychisch Erkrankten steigt stetig und wird im Übrigen immer jünger -, ist es nicht verwunderlich, dass auch die Zahl der “verwundeten Seelen” unserer Soldaten zunimmt. Oft noch im Einsatz erfahren sie von “verloren gegangenen” Beziehungen und leergeräumten Wohnungen…
Helga D.
am 17. Februar 2009 um 8:47 am Uhr.
“600 Mann für Kabul”, Rhein-Zeitung Nr. 40 v. 17.02.08:
Deutschland schickt zusätzlich 600 Soldaten nach Afghanistan, um die dort für den 20. August geplante Präsidentenwahl abzusichern. Dies ist Teil einer vorübergehenden Verstärkung der Afghanistan-Schutztruppe Isaf durch sämtliche Nato-Staaten. Wegen der Wahl sollen mind. 3000 Soldaten aus mehreren Nato-Staaten zusätzlich entsandt werden. Die zusätzlichen Bundeswehr-Soldaten sollen drei bis vier Monate in Afghanistan bleiben, weil eine Stichwahl möglich ist.
Wenn ich mir das “Tages-Thema” der gleichen Zeitung “Korrupter Kosovo hängt am Finanztropf der EU - Statt Fortschritt hat die Unabhängigkeit bisher nur Sorgen bereitet - Kompetenzgerangel der internationalen Helfer - Anarchie regiert ehem. Serbenprovinz” durchlese, stellt sich mir die Frage, was dürfen wir - wenn überhaupt - jemals von den Bemühungen des Westens in Afghanistan erwarten?
“Obwohl viele Milliarden in den Kosovo gepumpt wurden, gibt es nur wenige Lichtblicke. Ein paar Kilometer Autobahn in Richtung Albanien und der zweitgrößten Stadt Pec im Westen sind fertig. Die internationale Schutztruppe KFOR hat hier und da eine Straße instand gesetzt.
Innenpolitische Fortschritte gibt es - wenn überhaupt - nur im Schneckentempo. Unmik und Eulex sind tagtäglich im Kompetenzgerangel darüber verstrickt, wer was zu sagen und zu tun hat.
Der von Serben bewohnte Norden des Landes hat sich ganz der Kontrolle durch albanische Regierung entzogen. Dort herrscht weitgehende Gesetzlosigkeit ohne funktionierende Gerichte. Der groß angelegte Schmuggel ist allgegenwärtig…
Alle Gesprächspartner bestätigen, dass die fehlenden Fortschritte auch der grassierenden Korruption zuzuschreiben sind. Kosovo gilt als eines der korruptesten Länder nicht nur in Europa. Die Politiker und Beamten in der Regierung halten die Hand auf. Über die Korruption bei den internationalen Helfern weiß man bis auf Einzelfälle wenig. In jedem Fall die Internationalen das Lohnsystem im Land ruiniert: Ein Juraprofessor erhält 450 Euro, der ungebildete Fahrer bei den Internationalen 600 bis 800 Euro…
Es gibt viele Anzeichen, dass kein ausländischer Staat bereit ist, noch einmal eine Kraftanstrengung zu unternehmen, um das Kosovo-Problem endgültig zu lösen. Vielmehr laute das Prinzip, Ruhe zu garantieren, sagen Diplomaten hinter vorgehaltener Hand. Die “albanische Frage” bleibt auch 97 Jahr nach dem ersten Nationalstaat dieses Volkes im Jahr 1912 unbeantwortet.”
Der 27-jährige Butrint Qorri resigniert: “Für einen Arbeitsplatz brauchst du Verbindungen in die Regierung. Ich hatte gedacht, die internationale Gemeinschaft wird das Verhalten unserer Politiker ändern, aber jetzt sind alle meine Hoffnungen zerstört…”
Kosovo steht nun nicht mehr oben auf der politischen Tagesordnung der Welt, wann wird auch Afghanistan sang- und klanglos “untergehen”?
Verspricht die internationale Gemeinschaft überall zu viele “blühende Landschaften und Rosengärten”? Sind die Völker nicht besser beraten, wenn sie dem Ausspruch des ehem. russischen Generals in Afghanistan folgen: “Militärisch sind die Probleme nicht zu lösen. Die Afghanen brauchen drei Dinge: Kopf, Herz und Bauch: Denkt nach, fühlt mit ihnen und versorgt sie…”
Peter Klaus
am 17. Februar 2009 um 7:12 pm Uhr.
Hallo Kameraden/innen und Soldatenmütter,
ich hab hier einen Beitrag aus der Bundeszentrale für pol.Bildung gefunden.
http://www.bpb.de/themen/SRAH3X,0,0,Lokale_Macht_und_Gewaltstrukturen_in_Afghanistan.html
Das “Executiv-Organ” des BMI analysiert ernüchternd die Situation vor Ort.
Hier muß m.E. eine EXIT-Strategie her, oder wollt Ihr weiter Eure Söhne und Töchter und Kameraden dort hin schicken??
Peter Klaus: Recht hat er!
Gruß
Klara B.
am 19. Februar 2009 um 9:15 am Uhr.
„Zivile Ärzte müssen bei der Bundeswehr aushelfen – Abwanderung der Sanitätsoffiziere belastet viele Fachbereiche“
Ein Bericht von Peter Lausmann in der Rhein-Zeitung vom 18.02.09:
„Weil ihr die Ärzte weglaufen, muss die Bundeswehr künftig verstärkt auf das zivile Gesundheitswesen zurückgreifen. Nur so könne die medizinische Versorgung sichergestellt werden. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der FDP-Fraktion zum Sanitätsdienst der Bundeswehr hervor. Das 56 Punkte umfassende Papier belegt mit Zahlen, wie dramatisch der Ärztemangel in einigen Abteilungen ist.
Ärzteflucht:
Nachdem im vergangenen Jahr 97 Ärzte die Streitkräfte auf eigene Initiative verlassen haben, sind es auch in diesem Jahr schon wieder mindestens acht. Dabei ziehen vor allem junge Assistenzärzte den Wechsel ins Zivilleben vor. Und dies auch unter erheblichen finanziellen Belastungen. So müssen 85 der im vergangenen Jahr ausgeschiedenen Ärzte ihre Ausbildungskosten an den Bund zurückzahlen. Und die sind nicht unerheblich. Bisher wurden die Kosten zwar nur für sechs Ex-Soldaten berechnet – doch allein diese kommen auf 537 710 Euro. Dass erst so wenige Fälle berechnet wurden, begründet die Regierung mit der „zeitlich aufwendigen Berechnung und Bescheidung“.
Fachärztemangel:
In den klinischen Fachgebieten klaffen zum Teil erhebliche Lücken zwischen der Sollstärke und dem aktuellen Zustand. Das schlägt vor allem bei der Anästhesie zu Buche, wo statt der 161 geplanten Stellen nur 109 Ärzte zur Verfügung stehen. Bei der Chirurgie sind es nur 114 statt 134, in der Neurochirurgie 14 statt 26. Vor dem Hintergrund der psychologischen Probleme, die von immer mehr Soldaten aus dem Einsatz mitgebracht werden, fällt das Missverhältnis in der Psychiatrie besonders ins Auge: Dem Planziel von 40 Ärzten stehen derzeit nur 22 reelle Sanitätsoffiziere gegenüber.
Einsatzbelastung:
Je geringer die Zahl der Truppenärzte wird, desto häufiger müssen die Verbliebenen in die Auslandseinsätze. Zwischen 2005 und 2008 waren 369 Ärzte drei Mal oder häufiger im Einsatz. Nach Informationen unserer Zeitung leisteten einige Ärzte bereits mehr als zehn Mal im Ausland Dienst. Dabei ist die Einsatzdauer verglichen mit anderen Soldaten zwar kürzer, die Belastung aber teils erheblich größer.
Das Verteidigungsministerium hat mittlerweile eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die Vorschläge erarbeiten soll, wie Sanitätsdienst wieder attraktiver werden kann. Erste Vorschläge seien bereits besprochen worden. Schnelle Änderungen sind dennoch nicht zu erwarten. Der Abschlussbericht der Arbeitsgruppe und ihrer Untergruppen wird zum 30. September erwartet – exakt drei Tage nach der Bundestagswahl.“ Bericht Ende.
Fazit: Immer wenn man nicht weiter weiß, gründet man einen Arbeitskreis…
Schnelle Änderungen sind dennoch nicht zu erwarten – woher auch, die Probleme sind ja auch erst seit gestern bekannt…
Nötige Entscheidungen werden verschoben – bis nach der Bundestagswahl! Schließlich weiß man nicht, was für einen Chef man da haben wird. Nicht, dass man sich da einen Ast absägt…
Peter Klaus
am 16. März 2009 um 9:42 am Uhr.
„Es ist nur sehr schwer, den Schalter auf dem Flug in den Einsatz umzustellen.“
„Eine deutsche Stärke ist die Führungskultur mit der sog. Auftragstaktik, die nicht nur bewiesen hat, dass sie zeitgemäß, sondern auch besonders einsatzgeeignet ist.“
So Generalleutnant Wolfgang Otto, Befehlshaber des Heeresführungskommando in Koblenz, der in den Ruhestand verabschiedet und von Generalmajor von Butler abgelöst wird in einem Interview mit der Rhein-Zeitung vom 16.03.09:
http://rhein-zeitung.de/on/09/03/16/news/t/rzo545993.html
Seiner Wahrnehmung über die Akzeptanz der Soldaten in der Gesellschaft, insbesondere auch in den Garnisonsstädten, muss ich leider aus persönlichen Erfahrungen widersprechen. Ein hochrangiger Offizier wird dies selbstverständlich in seinem Umfeld völlig anders wahrnehmen, als z. B. ein Obergefreiter oder Feldwebel in einem Supermarkt.
Das Bild des Soldaten in Uniform in unserem Alltag ist leider so gut wie ausgestorben, viele „trauen“ sich nicht mehr, diese auf dem Weg in den Dienst und zurück zu tragen – leider! Das war vor gut 10 Jahren noch völlig anders, da war die Begegnung mit uniformtragenden Soldaten noch Alltag in deutschen Städten.
Ich würde mir wünschen, dass unsere Soldatinnen und Soldaten sich wieder selbstbewusst in Uniform in unserer deutschen Gesellschaft bewegen „können“ – vielleicht klappt es dann auch besser mit der Akzeptanz…
Alles, was ständig präsent ist, was uns in unserem Alltag selbstverständlich begegnet, wird mit der Zeit auch als „normal“ angesehen. Unsere Soldatinnen und Soldaten müssen sich nicht „zivil verstecken“, sie haben allen Grund, sich in ihrer Uniform „selbstbewusst und stolz“ zu präsentieren.
Eine Anekdote hierzu: Als mein Sohn vor vielen Jahren als Wehrpflichtiger am Wochenende in Uniform mit der Bahn nach Hause fuhr, wurde er von einem älteren Herrn auf dem Bahnsteig angesprochen: „Sie sind doch Soldat, Sie können mir sicherlich helfen…“
Sind wir eher vorsichtig und misstrauisch, einen jungen Menschen heute um Hilfe zu bitten, hier war es nicht einfach “nur” ein junger Mann, hier war es bewusst ein Soldat, den man ansprach. Dieses Vertrauen und diese Akzeptanz machten den jungen Wehrpflichtigen „stolz wie Oskar!“
Helga D.