NATO-Maulkorb…?

Manchmal gibt es Bloggertage da kommt man den Ereignissen, die man im Web entdecken kann, nicht mehr hinterher. Dazu eine Fundstelle beim Kollegen Wiegold bei “Augen geradeaus“.

Ärger für Egon, so die Überschrift von Thomas Wiegold

Deutsche Stabsoffiziere - vor allem Generale - in Nato-Verwendungen müssen sich in der Heimat bisweilen den Vorwurf gefallen lassen, sie gäben mit dem internationalen Posten auch ihre Ansichten als deutscher Offizier an der Garderobe ab und dächten nur noch international. Anders als Amerikaner, Briten, Franzosen, die sich, so die deutsche Lesart, auch im Nato-Stab immer noch vor allem ihrer jeweiligen Nation verpflichtet fühlen. Das Ganze hat aber auch eine Kehrseite: Wenn ein deutscher General auf einem Nato-Posten im Bündnis aneckt, weil er unbequeme Wahrheiten ausspricht, kann er auf wenig Rückendeckung aus der Heimat hoffen.

So scheint es derzeit Egon Ramms zu gehen. Der Vier-Sterne-General kommandiert das Joint Forces Command der Nato in Brunssum und ist damit Chef des Afghanistan-Einsatzes. Zwischen dem ISAF-Kommandeur in Kabul (einem US-General) und dem Nato-Oberkommandierenden (einem US-General). Bei denen dürfte Ramms’ jüngste Interview-Äußerungen schlecht angekommen sein - Die Meldungen der amerikanischen Streitkräfte, die oft die Anzahl getöteter Aufständischer wie eine Erfolgsbilanz präsentieren, widersprechen nach Ansicht des Vier-Sterne-Generals “jedem humanitären Denken”. “Wir töten doch nicht Aufständische zum Selbstzweck”, sagte Ramms dem stern.

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Ein Kommentar zu “NATO-Maulkorb…?”

  1. Helga D.

    „Das Auge des Sturms“ (Der Spiegel 50/2008)
    Der CIA-Veteran, Qaida-Experte und Berater des gewählten US-Präsidenten Barack Obama, Bruce Riedel, 55, über die Urheber der Anschläge von Mumbai, Pakistan als Brutstätte des globalen Dschihad und Strategien gegen den Terror.


    SPIEGEL: Warum haben die USA Bin Laden immer noch nicht gefasst?

    Riedel: Zum Teil, weil wegen des Irak-Kriegs wichtige Ressourcen von der Jagd auf Bin Laden abgezogen wurden. Ab Anfang 2002, als er am verwundbarsten war, haben wir aufgehört, ihn mit voller Kraft zu jagen. Sieben Jahre später wollen wir die Fährte wieder aufnehmen, aber die Spur ist nicht nur kalt, sie ist tiefgefroren.

    SPIEGEL: Sie haben vor kurzem einen Marschall-Plan für Afghanistan und Pakistan vorgeschlagen…

    Riedel: …richtig, denn wir müssen das Elend beenden, in dem so viele Afghanen und Pakistaner leben. Afghanistans einziges ernstzunehmendes Exportgut ist Heroin. Die USA haben 2003 und 2004 weniger als eine Milliarde Dollar in den wirtschaftlichen Wiederaufbau gesteckt. Das Ergebnis war vorhersehbar: Die Lage dort wird schlechter, nicht besser.

    SPIEGEL: Erforderlich für die Sicherheit des Landes ist also mehr Entwicklungshilfe und weniger Krieg?

    Riedel: Entwicklung und Sicherheit bedingen sich. In Afghanistan sollte man zuerst Straßen bauen, für Weizen braucht man Straßen. Nach sieben Jahren Krieg haben wir immer noch nicht die Ringstraße fertiggestellt, die Lebensader Afghanistans. NATO-Kommandeure vor Ort sagen oft: Wo die Straße aufhört, fangen die Taliban an.

    SPIEGEL: Dann müssten sich die Amerikaner eindeutiger zum Aufbau des Landes, zum „nation building“ bekennen?

    Riedel: Die Regierung von George W. Bush hat das stets abgelehnt, und heute sehen wir, wie wichtig das gewesen wäre. Wir sollten nicht zum dritten Mal denselben Fehler machen. Nach dem Krieg gegen die Sowjets haben wir Afghanistan in den neunziger Jahren nicht weiter beachtet. Die Quittung war der 11. September 2001. Zum zweiten Mal haben wir Afghanistan nach der Befreiung von Kabul vernachlässigt, was ein Wiedererstarken von al-Quaida und Taliban zur Folge hatte.

    SPIEGEL: Und was sollte in Bezug auf die Dschihadisten in Pakistan geschehen?

    Riedel: Wenn wir das Frankenstein-Monster da wirklich töten wollen, müssen wir die demokratische pakistanische Regierung unterstützen. Präsident Zardari hat die Herausforderungen angenommen, wir müssen ihm helfen, auch wirtschaftlich.

    SPIEGEL: Seit 2001 hat das Land mehr als elf Milliarden Dollar von den USA erhalten.

    Riedel: Pakistans Armee hat von der Bush-Regierung elf Milliarden Dollar bekommen. Das ist etwas ganz anderes. Als der designierte Vizepräsident Joe Biden noch Senator war, hat er ein Hilfspaket vorgeschlagen, das die Wirtschaftshilfe an Pakistan verdreifacht: 1,5 Milliarden Dollar jährlich für zehn Jahre. Wir können nicht zulassen, dass Pakistan zu einem gescheiterten Staat verkommt. Das wäre nicht einfach nur ein weiteres Somalia oder ein weiterer Libanon. Ein gescheitertes Pakistan hat bis zu 60 Nuklearsprengköpfe zur Verfügung. Das ist ein Albtraum, wen wir im 21. Jahrhundert nicht leisten können.“

    Auch in Amerika gibt es also “andere Sichtweisen”.
    Warum hat Deutschland nur so viele „Profilneurotiker“? Alles, was uns internationale Medien berichten oder Politiker bzw. „Militärs“ von sich geben, wird „bedingungslos“ geglaubt. Wehe, ein Deutscher, hier einer der ranghöchsten deutschen Generäle, sieht eine „andere Wahrheit“, schadet er angeblich sofort dem Ansehen Deutschlands in der Welt!
    Schon vergessen, wie Alt-Bundeskanzler Schröder auch eine „andere Sichtweise“ als die Amerikaner und die Briten in Bezug auf den Irak-Krieg hatte? Wer hatte rückbetrachtet die richtige?
    Auch wir in Deutschland haben „Köpfe, die denken können.“

    Helga D.

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